Krebs und Ernährung II: Zucker und seine Alternativen

In diesem Beitrag möchte ich euch einige Informationen zu Zucker sowie diversen Zuckeralternativen geben und aufzeigen, welche Zusammenhänge bestehen, wenn es um Ernährung bei Krebs geht. Zucker ist ständiges Thema bei allen ernährungstechnischen Fragen und Debatten, daher lohnt es sich definitiv, auch einmal für unsere Zwecke genauer hinzusehen.

Bei allen Informationen, die ich zu ernährungstechnischen Themen rund um Krebserkrankungen veröffentliche, handelt es sich um Wissen, das ich aus verschiedenen Quellen zusammengetragen habe – ich bin kein Mediziner, versuche allerdings einen möglichst gut recherchierten Überblick zu geben.

Wie agieren Tumore?

Um die Wirkung von Zucker zu verstehen ist es wichtig sich anzusehen, wie Tumore eigentlich entstehen. Unsere Zellen teilen sich immer wieder, wenn dies für den Körper notwendig ist. Kommt es zu einer übermäßig starken Teilung, entstehen durch die Zellen Wucherungen, die wir als Tumore bezeichnen. Gutartige Geschwüre lassen sich in der Regel problemlos entfernen und sind in den meisten Fällen harmlos – die Zellen bösartiger Tumore teilen sich hingegen unkontrolliert und streuen auch in andere Körperbereiche aus.

Bösartige Tumorzellen zerstören umliegendes Gewebe, können sich von ihrem Primärtumor ablösen und in das Blut- und Lymphsystem eindringen, von wo aus sie sich im ganzen Körper verbreiten. Bevor er jedoch damit beginnen kann, sich in umliegendes Gewebe auszubreiten, muss ein Tumor ein System an Blutgefäßen ausbilden, um sich mit Nährstoffen für sein weiteres Wachstum zu versorgen; diesen Prozess nennt man Angiogenese. Es gibt Lebensmittel, die die Angiogenese von Tumorzellen unterbinden können, dazu in einem anderen Beitrag mehr 🙂

Zu den Nährstoffen, mit denen sich der Tumor durch die Ausbildung der Blutgefäße weiter versorgen will, zählen insbesondere Sauerstoff und Glucose – und da können wir ernährungstechnisch gut ansetzen.

Sobald es den tumorösen Zellen gelungen ist, eigene Blutgefäße auszubilden, besitzen sie einen eigenen Stoffwechsel. Sie brauchen Zucker und Insulin, um sich weiterhin teilen zu können. Während ich beim Kochen also nicht nur versuche, industriellen Zucker zu meiden, achte ich auch auf eine Redutkion von Stärke und Kohlenhydraten, die die Insulinausschüttung begünstigen.

Ein kompletter Verzicht auf Kohlenhydrate (und generell auch Zucker, der nicht industriell hergestellt wird) wäre jedoch weder gesund, noch sinnvoll – wir sollten nur darauf achten, in welchem Maß und in welcher Form wir die beiden Nährstoffe zu uns nehmen. Industriell hergestellter Zucker ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus von Medizinern und Ernährungswissenschaftlern gerückt, denn neben der Tatsache, dass er bei der Entstehung von Krebszellen eine große Rolle spielt, können ihm auch zahlreiche andere gesundheitsschädliche Effekte zugeschrieben werden.

Wer sich mit diesem Thema näher auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich folgende Literatur*:

  • Mosetter, Kurt; Simon, Wolfgang A. u.a.: Zucker. Der heimliche Killer. GU: München 2017.
  • Lustig, Robert: Die bittere Wahrheit über Zucker. Riva: München 2016.
  • Bruker, Max O. und Gutjahr, Ilse: Zucker, Zucker: …krank durch Fabrikzucker. Von süssen Gewohnheiten, dunklen Machenschaften und bösen Folgen für unsere Gesundheit. Aus der Sprechstunde: Band 12, 2017.

Fructose: Soll ich jetzt gar kein Obst mehr essen?

Immer wieder findet man Artikel und Studien, die einen Zusammenhang zwischen Fructose und dem Wachstum von Krebszellen aufzeigen.

Es gibt Quellen, die empfehlen, die Fructoseaufnahme pro Tag auf maximal 25g zu begrenzen, um Krebs vorzubeugen. Eine Tabelle, an der ich mich gerne orientiere, stellt der Biomedizin-Blog* zur Verfügung:

Fructosegehalt von Obstsorten

Obst wird aufgrund der darin enthaltenen Fructose oft als problematisch gesehen, wenn es um Ernährung während Krebserkrankungen geht. Doch wie bei den meisten Dingen gilt auch hier: Alles in Maßen ist in Ordnung. Es gibt Obstsorten, die für ihre krebshemmenden Wirkstoffe bekannt sind: Darunter fallen insbesondere verschiedene Beerensorten. Solange man es nicht übertreibt und primär jene Obstsorten konsumiert, die krebshemmende Eigenschaften besitzen, sind 1-2 Portionen Obst am Tag durchaus in Ordnung. Gerade Beeren und Zitrusfrüchte, die wichtige Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe besitzen, enthalten verhältnismäßig wenig Fruchtzucker 🙂

Weißer Zucker, brauner Zucker, … was kann ich denn nun eigentlich verwenden?

In der Regel denken wir bei Zucker zuerst an den “klassischen” weißen Haushaltszucker, den wir auch zum Backen und Süßen von Kaffee verwenden. Bei diesem Zucker handelt es sich um Saccharose – einem Mehrfachzucker aus Fructose und Glucose, den man daher möglichst meiden sollte. Glucose ist ein Einfachzucker, der den Blutzuckerspiegel sehr schnell erhöht und demnach eine hohe glykämische Last (GL) besitzt. Dieser Wert gibt an , wie stark ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel beeinflusst und damit eine Insulinausschüttung im Körper bewirkt.

Um etwaigen Tumorzellen keinen zusätzlichen “Kraftstoff” zu liefern, greife ich also auch hier zu Zuckeralternativen, die eine möglichst niedrige GL haben. Zum Thema GL habe ich schon in meinem letzten Beitrag “Krebs und Ernährung I: Warum ich auf Weizenmehl verzichten möchte” einiges erzählt, daher belasse ich es diesmal bei der Kurzfassung 🙂

Bevor ich auf die einzelnen Möglichkeiten, unsere Speisen auch ohne Industriezucker zu süßen, eingehe, möchte ich einige grundlegende Begriffe klären:

Prinzipiell unterscheidet man zwischen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen. Beide können Industriezucker beim Kochen und Backen ersetzen, besitzen jedoch unterschiedliche Eigenschaften:

Künstliche Süßstoffe wie beispielsweise Thaumatin, Cyclamat, Aspartam oder Saccharin besitzen oft sogar eine noch größere Süßungskraft als Zucker, dafür aber auch weniger Masse. Zuckeraustauschstoffe wie Xylit oder Erythrit besitzen, genauso wie Süßstoffe, weniger Kalorien als Industriezucker, allerdings können sie in größeren Mengen schlecht für die Verdauung sein und abführend wirken. Ich backe daher beispielsweise höchstens mit 3-4 EL Erythrit und greife für die restliche Süße zu anderen Alternativen.

Zuckeraustauschstoffe werden oftmals auch als Zuckeralkohole bezeichnet. Sie beeinflussen den Insulinspiegel kaum bis gar nicht und sind für unser Vorhaben, den Krebszellen ihren “Kraftstoff” zu nehmen demnach eigentlich gut geeignet. Aber Vorsicht: Neben der genannten abführenden Wirkung in größeren Mengen ist die Süßkraft von Zuckeraustauschstoffen wesentlich geringer als jene der Süßstoffe oder des Haushaltszuckers.

Einige Süßstoffe stehen leider unter dem Verdacht, die Entstehung von Krebs zu begünstigen. Aussagekräftige Studien hierzu fehlen allerdings (meines Wissens nach) bislang. Dennoch fallen sie für mich unter die gleiche Kategorie wie Industriezucker und so verzichte ich persönlich auf alle künstlichen Süßungsmittel.

Zuckeraustauschstoffe

Wie sieht es nun aber mit den Zuckeraustauschstoffen oder Zuckeralkoholen aus? In einigen meiner Rezepte habt ihr sicherlich entdeckt, dass ich immer wieder einmal ein paar Esslöffel Erythrit oder Xylit verwende. Nachfolgend einige Fakten zu den einzelnen Zuckeraustauschstoffen:

Name aka Süßkraft Vorkommen Empfehlung
Sorbit Sorbitol, Glucitol ca. 50% Natürlich: Steinobst, Eberesche; auch industriell aus Mais- und Weizenstärke Höchstens natürlich gewonnenes Sorbit
Xylit Xylitol 100% Aus Obst (Beeren) und Restprodukten der Landwirtschaft (Maiskolben, Mandelschalen, Birkenrinden) Verwende ich in Maßen gerne
Maltit Maltitol 90% Industriell aus Mais- und Weizenstärke Nein, da industrielle Herstellung und hohe GL
Mannit Mannitol ca. 50% Feigen, Oliven, Algen, div. Baumsäfte In Maßen
Isomalt Palatinit, Isomaltitol ca. 50% Aus Rübenzucker Möglichst nicht
Lactit Lacitol ca. 40% Aus Milchzucker Nein, da aus Milchzucker
Erythrit Erythritol ca. 70% Reife Früchte wie Melonen, Birnen, Trauben; oder durch Fermentierung. In guter Qualität mit dem EU-Bio-Siegel verwende ich es

Zucker sollte jedoch, wie bereits kurz erwähnt, immer nur in gerigem Maß durch Zuckeraustauschstoffe ersetzt werden. Um für die restliche Süße zu sorgen, kommen bei mir dann gerne natürliche Süßungsmittel ins Spiel:

Mit Früchten, Sirup und co süßen

Name Vorkommen Infos Empfehlung
Kokosblütenzucker Blüten der Kokospalme Beeinflusst den Insulinspiegel kaum; guter Nährstoffgehalt, man muss jedoch auf die Herkunft achten! Es gibt gute Bioprodukte, die den günstigen vorzuziehen sind. Beeinflusst den Insulinspiegel kaum. Verwende ich gerne
Dattelsüße oder auch pure Datteln Datteln Beeinflusst den Insulinspiegel kaum; flüssig und in Pulverform Verwende ich gerne
Ahornsirup Ahornbäume Mittlere GL; gute Qualität wählen. Selten verwenden
Agavendicksaft Agavepflanze Beeinflusst den Insulinspiegel kaum; wenig Eigengeschmack. Verwende ich in Maßen gerne
Bananen Selbsterklärend 😉 Reife Bananen (schon richtig dunkel) besitzen eine hohe Süßkraft. Enthalten leider recht viel Fructose. Nehme ich zum Backen; in Maßen
Reissirup Gemahlener Vollkornreis Enthält zwar Glucose, aber keine Fructose. Enthält wichtige Mineralstoffe. Hohe GL. Nein; kaum
Yacon Sirup Yaconwurzel Beeinflusst den Insulinspiegel kaum; natürlich und sehr süß. Leider verhältnismäßig teuer. Ja!
Honig Summ summ <3 Nur bedingt nutzbar; Verbindung mehrere Zuckerarten, jedoch voller gesunder Nährstoffe. Leider nicht vegan. Teilweise stark industriell verarbeitet; vom Imker eures Vertrauens holen 😊 In Maßen aus einer seriösen Quelle
Stevia Steviapflanze / Süßkraut Beeinflusst den Insulinspiegel kaum. Man bekommt es leider selten in reiner Form, sondern meist als Mischung mit Maltodextrin oder Isomalt. Zur Wirkung von Stevia fehlen noch Langzeitstudien. Reines Stevia in Maßen, Mischungen nicht
Feigen Siehe Bananen Frische Feigen besitzen eine niedrige GL, getrocknete sind mit Vorsicht zu genießen. Starker Eigengeschmack, machen sich aber als Grundlage für einen Teig sehr gut. Gerne!
Apfelmus Äpfel Selbstgemachtes oder wirklich gutes Bio-Apfelmus ohne Zucker eignet sich hervorragend zum Backen. In Maßen

Fazit

Ich habe lange überlegt, wie ausführlich und in welcher Form ich diesen Beitrag verfasse. Es ist schwierig, bei so einem heiklen Thema Empfehlungen oder Tipps abzugeben – die Fülle an Büchern, Forschungen und Studien zum Thema Zucker ist kaum zu überschauen und was das Wachstum von Krebszellen betrifft spielen ausgesprochen viele Faktoren eine Rolle. Tatsache ist jedoch, dass Zucker, Insulin, Fructose und Glucose einen dieser Faktoren bilden und man bei einer Ernährungsweise, die es Krebszellen beim Entstehen und Wachsen möglichst schwer macht, gerade beim Thema Süßungsmittel nicht kritisch genug sein kann.

Ob irgendeiner der hier genannten Stoffe wirklich “gesund” oder gar krebshemmend ist, lässt sich schwer sagen, ich wage aber zu behaupten, dass Zuckeralternativen, egal ob es sich um einen natürlich Stoff, einen Zuckeralkohol oder ein Süßungsmittel handelt, diese Eigenschaften wohl kaum zugeschrieben werden können.

Wir sind aber nun einmal ein “süßes Leben” gewohnt, sind mit Kuchen, Eis, Schokolade, Keksen und Gebäck aufgewachsen. Von heute auf morgen alles Süße (und da spreche ich auch von “gesund” gesüßten Lebensmitteln) von unserem Speiseplan zu streichen, wird für die meisten von uns kaum möglich sein und führt womöglich dazu, wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen und industriell hergestellte Süßspeisen zu konsumieren. Deswegen habe ich persönlich die Einstellung, auch regelmäßig Kuchen, Kekse und Co zuzubereiten, allerdings mit dem “kleineren Übel” an Süße: natürlichen Alternativen oder auch einmal Zuckeraustauschstoffen bzw. Sirupen, die unseren Blutzucker nicht in die Höhe schießen lassen.

Achtet auch beim Kauf von Lebensmitteln unbedingt auf die Inhaltsstoffe; Zucker oder Süßstoffe sind in zahlreichen Mischungen, Konserven, Aufstrichen, Getränken etc. versteckt und leider zahlreich zu finden. Zucker hat viele Namen und wird gut getarnt:

Zutaten, die auf “-ose” enden, wie beispielsweise Saccharose, Glukose, Raffinose, Maltose, … stehen für Zucker, ebenso Dextrine (Maltodextrin, Weizendextrin) oder Sirupe und Malze (Maltose, Malzextrakt, Gerstenmalz). Auch Fruchtsüße und Konzentrate sind mit Vorsicht zu genießen. Weicht, wann immer möglich, auf Produkte ohne zusätzliche Süßung aus! Gerade bei Joghurts und Aufstrichen war ich schockiert, wie viele von ihnen Zucker enthalten, doch es gibt Alternativen aus Kokos- oder Cashewculturen, die auch wirklich nur eben diese beinhalten. Aufstriche mache ich mittlerweile oft selbst (ihr findet einige Rezepte auf dem Blog) oder kaufe welche, die keinerlei Süßungsmittel beinhalten, wie beispielsweise von der Marke “Zwergenwiese”* 🙂

Auch in vielen Gewürzmischungen oder Suppenwürfeln, Gemüse in Dosen, Trockenfrüchten, Müsliriegeln, Getränken, Soßen etc. ist Zucker versteckt.

Ich hoffe weiterhin, euch hier auf dem Blog Anregungen geben zu können, mit welchen Rezepten und (natürlichen) Süßungsmitteln es meiner bescheidenen Meinung nach am besten gelingt, ungesunde Zuckerfallen, die unserem Körper schaden, zu umgehen, ohne ganz auf ein Dessert oder einen Geburtstagskuchen verzichten zu müssen 😉 Wenn schon, dann aber möglichst so, dass keine Krebszellen mitnaschen dürfen.

Weiterführende Links* :

* Werbung durch Webseiten- oder Markennennung; unbezahlt. Alle genannten Bücher, Marken sowie verlinkten Artikel und Webseiten habe ich eigeninitiativ als Quellen herangezogen und empfehle sie im Rahmen dieses Artikels gerne weiter.

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